Dreamweaver: hinter den Kulissen: Codehints Evolution

Selbst wenn Adobe Systems dieses Feature nicht an die große Glocke hängt, lohnt es sich auch für Designer, die beim Anblick von CSS-, Javascript- oder PHP-Code nicht automatisch ins Koma fallen, den sogenannten “Code-Hinweisen” (auch Codehints genannt) mehr Beachtung zu schenken — denn seit den seligen Macromedia-Zeiten hat sich Dreamweaver auch in diesem Punkt zu einer ernstzunehmendem Entwicklungsumgebung für ambitionierte Anwender gemausert.

In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, was sich seit Dreamweaver CS3 bei den Code-Hinweisen so alles getan hat und von welchen Verbesserungen ein Anwender profitiert, der z.B. ein Upgrade auf die aktuelle Version CS6 in Erwägung zieht.

Warum Code-Hinweise ?

Ein Entwickler, der anno 2012 mit CSS, Javascript oder serverseitigen Programmiersprachen wie PHP zu tun hat, müsste schon ein ziemliches Genie sein, um die enorme Vielzahl an “sprachen”-spezifischen Funktionen, Klassen, Parametern und weißderkuckuckwassonstnochalles lückenlos in der Birne zu haben und aus dem Stegreif sowie fehlerfrei in die Tastatur hacken zu können, zumal all diese Skriptsprachen auch einen Code-Freak mit einer ständig zunehmenden Komplexität und Diversifizierung konfrontieren.

Trotz langjähriger Praxis bin ich – wie wohl die meisten meiner KollegInnen – weit davon entfernt, ein derartiges Genie zu sein. Da ich nicht imstande bin, den ganzen o.g. Krempel auswendig herbeten zu können, sollte mein Entwicklungs-Tool cleverer sein als ich, mitbekommen, ob ich mich aktuell mit Javascript oder CSS befasse und mir während der Programmierung die jeweiligen Funktionen etc. etc. automatisch als “Vorschläge” unterbreiteen.

Genau dies leistet Dreamweaver mit seinen Code-Hinweisen, welche ab der Version CS 5 auf einer neuen “Strategie” basieren sowie bei jeder folgenden Version aktualisiert und auch erweitert wurden. Das folgende Video ist sowohl eine Art “wie funktionieren Code-Hinweise im Allgemeinen” – Kurzdemonstration als auch ein exzellentes Beispiel dafür, wie flexibel Dreamweaver dem Anwender bei der Programmierung zur Seite stehen kann:

Anno dunnemals :: die Dreamweaver CS3/CS4 Code-Hinweise

Wer gegenwärtig noch Dreamweaver CS3 oder CS4 installiert hat, kann ja mal gerne mit dem Windows-Explorer o.ä. den Inhalt des Ordners “CodeHints” einsehen, der standardmäßig in einem übergeordneten Verzeichnis wie C:\Programme\Adobe\Adobe Dreamweaver CS4\configuration\ zu finden ist.

Was sieht man hier ? Naja, eigentlich herzlich wenig, und wenn man mal die diversen XML-Dateien ignoriert, welche separate Codehints-Bibliotheken für Adobes “SPRY Framework for Ajax” beinhalten, wird einem schnell klar, dass die für die meisten Programmierer relevantere Sammlung von Code-Hinweisen für HTML, CSS und PHP offensichtlich in der Datei “CodeHints.xml” zusammengefasst wurden:

Code-Hinweise: Dreamweaver CS3 und CS4

Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, diese Datei (551 kB) mit einem Texteditor zu öffnen und nachzuschauen, was hier so alles drin enthalten ist. Tja, wie soll man´s sagen :: eine wilde und nicht besonders vollständige Mischung von “dies und das, von allem was”, und bereits die Anzahl der verfügbaren Code-Hinweise für PHP konnte nur eine sehr rudimentäre Unterstützung für diese äußerst komplexe Skriptsprache liefern.

Code-Hinweise ab Dreamweaver CS5

Wer vergleichsweise einen Blick in den “CodeHints” – Ordner der Version CS5 respektive der Folgeversionen riskiert, wird eine positive Überraschung erleben, denn offensichtlich hat die Dreamweaver-Entwicklercrew diesem Feature nun deutlich mehr an Aufmerksamkeit gewidmet:

Code-Hinweise: ab Dreamweaver CS5

Wer will, kann ja mal gerne die Gesamtsumme an kB der oben angezeigten Dateien errechnen, um zur simplen Schlussfolgerung zu gelangen, dass hier einfach “mehr von allem” zu finden zu sein muss. In der Tat resultiert dies für jede einzelne Skriptsprache in einen drastischen Zuwachs an Code-Hinweisen.

Darüber hinaus kann man leicht die zu Beginn erwähnte neue “Strategie” erkennen, denn anstelle der bisherigen Praxis, möglichst viel in einer einzelnen Datei unterbringen, erfolgt hier eine “pro Skriptsprache” – Segmentierung der Code-Hinweise in separate Dateien.

Meines Erachtens stellt diese Strategie eine dringend notwendige Reform des CodeHints – Modells dar, denn bereits vor 2012 findet eine rapide Evolution der jeweiligen “Sprachen” statt, was sich z.B. bei der PHP-Version 5.3 durch signifikante Änderungen manifestiert und was für die Hersteller eines professionellen Entwicklungs-Tools nur bedeuten kann: “Hey, wir müssen flexibler und schneller reagieren können als vorher, um den Anwendern die entsprechenden Codehints-Updates möglichst flott verfügbar zu machen.” Eines dürfte klar sein :: die Aktualisierung einer 551 kB großenEinzeldatei, die Code-Hinweise für mehrere Skriptsprachen enthält, wäre unter diesem Gesichtspunkt eher kontraproduktiv und auch zu fehleranfällig — die Aktualisierung einer separaten bzw. kleineren Datei für die JavaScript-Klassenbibliothek “jQuery” hingegen lässt sich einfacher bewerkstelligen, und falls diese Datei z.B. irrtümlich “zerschossen” sein sollte, würde dies nicht länger automatisch die für PHP zuständigen Code-Hinweise mit in den Abgrund reißen.

Wurde diese neue Strategie bereits so umgesetzt, dass der Anwender tatsächlich davon profitiert ? Ja, obwohl Adobe in der Regel (die durchaus auch punktuell durch Ausnahmen bestätigt wird) neue bzw. aktualisierte Codehints-Bibliotheken erst zusammen mit einer neuen Dreamweaver-Version ausgeliefert, was ich persönlich nicht unbedingt klasse finde.

Wie dem auch sei, es gibt mehrere Beispiele, und hier ist eines für PHP-Entwickler: Dreamweaver CS5 hatte Code-Hinweise bis einschließlich PHP 5.2, während die nur ein Jahr veröffentlichte Version (CS 5.5) Support für PHP 5.3 bot.

Welche Code-Hinweise findet man bei welcher Dreamweaver-Version ?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben — hier ein Überblick über die versionsspezifischen Unterschiede, die ich bis dato herausfinden konnte:

versionsspezifische Codehints-Unterschiede

Oops, beim Verfassen dieses Artikels bemerke ich einen Fehler in der obigen Grafik, welche die Auswahloptionen der aktuellen Dreamweaver-Version CS6 anzeigen:: die DOM-Code-Hinweise sind bereits bei Dreamweaver CS4 verfügbar. Sorry about that ;-)

Die anderen Angaben hingegen sind korrekt, und abgesehen von der jQuery – Unterstützung (bei Dreamweaver CS5 übrigens für die Version 1.5) freut mich im Rahmen der PHP-Entwicklung sehr darüber, dass hier endlich eine Unterteilung in z.B. “Kernfunktionen” und “DOM & XML” vorgenommen wurde — dies war vorher nicht gegeben, und ein Support der DOM/XML – spezifischen PHP-Features war ohnehin nicht vorhanden.

Gibt´s neue Code-Hinweise für PHP-Freaks ??

Yes ! Yes ! Yes ! — und vor allem : na Endlich !! :-)

Dreamweaver Code-Hinweise auch für PDO

Für PHP-Entwickler hat sich seit Dreamweaver CS5 generell eine ganze Menge getan, was sich – siehe oben – u.a. auch in dem exzellenten “verbinde mich mit der betreffenden Funktions-Dokumentation bei php.net” – Feature zeigt.

Als ich endeckt habe, dass die “PHP-Kernfunktionen” – Bibliothek der Code-Hinweise deutlich erweitert wurde und nunmehr auch einen umfangreichen Support für einen PDO/SQLite/MySQLi – basierten Datenbankzugriff liefert, hatte ich den Eindruck, dass Dreamweaver hierdurch endlich zu einem wirklich professionellen Tool für PHP-Entwickler gereift ist.

Interessant ist, dass nicht alle Informationen, welche die Code-Hinweise mit “Futter” versorgen, notwendigerweise in XML-Dateien hinterlegt sein müssen. Das Unterverzeichnis “BuiltinCode” enthält diverse PHP-Dateien, und wer hier einmal die Datei “PHP_CORE.php” öffnet, wird u.a. auch Support für die SPL- Library erkennen können — sowie natürlich viele hübsche Dinge mehr, die es voher einfach nicht gab. Viel Spaß beim Stöbern, es lohnt sich !

Fazit

Ob die in diesem Artikel vorgestellte Evolution der Dreamweaver Code-Hinweise tatsächlich einen Anreiz bietet, ein Upgrade von z.B. CS4 auf CS6 in Erwägung zu ziehen, muss natürlich jeder selber entscheiden, und für Anwender, die ausschließlich mit Dreamweavers Entwurf-Ansicht arbeiten, dürfte dieses Thema ohnehin uninteressant sein.

Für ambitionierte Anwender hingegen, die das Anfängerstadium hinter sich gelassen und kapiert haben, dass Dreamweaver faktisch eine Werkzeugkiste mit, deren Tools eine unterschiedliche Herangehensweise ermöglichen, sollte das Thema “auf Code-Basis arbeiten” kein großes Problem darstellen, zumal sie im Laufe der Zeit gemerkt haben dürften, dass wirklich professionelle Ergebnisse oft nur mit dieser Methode erzielt werden können.

Da sich Dreamweaver mit jeder neuen Programmversion zunehmend an den Bedürfnissen der ambitionierten Anwender orientiert, bietet allein die Evolution der Code-Hinweise meines Erachtens einen hinreichenden Grund für ein Upgrade, denn — hier hat sich unglaublich viel getan, und außerdem ist man ohne diese Dinger kaum noch überlebensfähig. ;-)

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